Historisches Museum Schloss Gifhorn - Aktuell

Jüdische Nachbarn zwischen vordergründiger Integration und nationalsozialistischer Verfolgung: Beispiele aus dem Landkreis Gifhorn

Doppelvortrag von Reiner Silberstein, Redakteur der Braunschweiger Zeitung, und Dr. Manfred Grieger, Lehrbeauftragter an der Georg-August-Universität Göttingen

Freitag, 24. November, 19 Uhr

Heute leben in der Stadt Gifhorn und im Landkreis als Spätfolge des nationalsozialistischen Holocausts nur ganz ausnahmsweise Juden. Doch so genannte Landjuden waren hier Jahrhunderte ansässig, gehörten in ihrer Vielfalt als in den religiösen Traditionen Gebundene, Assimilierte oder auch vollkommen Säkularisierte lange dazu. Der Doppelvortrag von Reiner Silberstein, Redakteur der Braunschweiger Zeitung, und Dr. Manfred Grieger, Lehrbeauftragter an der Georg-August-Universität Göttingen, will anhand zweier Fallbeispiele die Nöte der vom NS-Regime als Juden Verfolgter und die Rolle rassistischer Aktivisten und Strukturen bei der Ausgrenzung und Diskriminierung aufzeigen.

Ausgerechnet im Wohnort des NSDAP-Kreisleiters Ernst Lütge stellte die Meiner Kirche 1930 einen halbjüdischen Pastor ein: Rudolf Gurland. Der Geistliche führte all die Jahre Tagebuch und sammelte seinen kompletten Briefverkehr. Sein Sohn ließ daraus später ein 500-seitiges Buch drucken - aus dem wird Reiner Silberstein berichten und zitieren. Das Buch beschreibt nicht nur das einfache Leben im Papenteich während des Nationalsozialismus, sondern vor allem das besondere berufliche Schicksal Gurlands.

Dem am 9. Januar 1885 in Osterholz-Scharmbeck geborene Julius Katz widmet sich Dr. Manfred Grieger in seinem Beitrag. Julius Katz lebte seit 1919 in Groß-Oesingen und arbeitete dort als Sattler/Polsterer und Tapezierer. Nach 1933 erfuhr sein Geschäft deutliche Einnahmeeinbußen, was 1938 zur Geschäftsaufgabe zwang. Mit seiner Ehefrau Hanni durchlebte er eine Zeit drohender Existenzvernichtung. Durch seine Ehe mit einer Christin gehörte er zu der von den Nationalsozialisten geschaffenen Kategorie der in „nichtprivilegierten Mischehen“ lebenden Juden, die von der Deportation nur „zurückgestellt“ waren. Erst der Einmarsch der Amerikaner beendete die Furcht, als „Volljude“ in die Vernichtungslager deportiert zu werden.

Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen.

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